Wechselmodell, Umgang, Sorgerecht, Aufenthaltsbestimmungsrecht – Beschluss des Oberlandesgerichts Karlsruhe

OLG Karlsruhe, Beschluss vom 21.05.2015, 18 UF 231/14

Stichworte:        Wechselmodell, Umgang, Sorgerecht, Aufenthaltsbestimmungsrecht

Norm:                     § 1684 BGB

Sachverhalt

Zwischen den getrennt lebenden Eltern eines 8-jährigen Kindes bestand Streit über die Anwendung des sog. Wechselmodells. Der Antragsteller, hier der Vater, begehrt die Anordnung des Wechselmodells, die Mutter besaß das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht und lehnte die Einführung des Wechselmodells ab.

Urteilsgründe

Das OLG Karlsruhe lehnte, wie die ganz überwiegende Mehrheit der Oberlandgerichte die Anordnung mit einer sowohl formalen wie aber auch tatsächlichen Begründung ab. Formal fehle es an einer Rechtsgrundlage für die Anordnung, da es sich beim Wechselmodel nicht um eine Regelung des Umgangsrechts handele sondern, weil ein zweiter Lebensmittelpunkt geschaffen würde, des Sorgerechts. § 1684 Abs. 3 BGB könne daher nicht als Rechtsgrundlage für die Anordnung herangezogen werden. In tatsächlicher Hinsicht könne das Wechselmodel nicht eingeführt werden, weil es – bei darüber streitenden Eltern – gegen das Kindeswohl verstieße. Neben den auf der Hand liegenden Vorteilen des Wechselmodells (Aufrechterhaltung der Eltern-Kind-Beziehung zu beiden Eltern) habe das Wechselmodell den Nachteil, dass das Kind sich mit den unterschiedlichen Erziehungsmethoden der Eltern auseinandersetzen müsse und – wenn sich die Eltern nicht einig seien – auch mit den Konflikten, die die Eltern untereinander austrügen. Der enge Kontakt zwischen den Eltern, die das Wechselmodell erfordere, entspräche dann nicht mehr dem wohlverstandenen Kindeswohl.

Anmerkung

Die Entscheidung überzeugt, wenn man sich die Darstellung des elterlichen Umganges untereinander im Urteil vor Augen hält. Danach waren die Eltern zu einem auch nur annähernd vernünftigen Umgang nicht in der Lage. Wie auf einer solchen Basis ein Wechselmodell aus Sicht des Antragstellers funktionieren kann, bleibt danach im Dunkeln. Schwieriger sind demgegenüber die Fälle zu beurteilen, in denen der Streit der Eltern an der Frage der Einführung des Wechselmodells erst entbrennt und sich die elterliche Beziehung ansonsten harmonisch gestaltet. Letztlich handelt es sich bei der vorliegenden Problematik und ihrer Lösung durch die Rechtsprechung um ein Beispiel, welches tendenziell in die Richtung von Jellineks Theorie von der „normativen Kraft des Faktischen“ weist.